Spezialgebiete

Wie erfolgt die operative Behandlung von Hypophysentumoren?

Die Operation ist bei den meisten Hypophysentumoren die Behandlung der ersten Wahl.

Transnasale Operation

Etwa 90% aller Hypophysentumore können durch die Nase entfernt werden. Die transnasale Operation ist geeignet für Tumore, die im Bereich der Hypophyse und somit innerhalb des Türkensattels entstehen (Abbildung 4).

Die Operation führen wir über einen sehr kleinen, Gewebe-schonenden operativen Zugang durch (=minimal invasiver Zugang). Unter dem Operationsmikroskop gehen wir über das Nasenloch vor. Ein Schleimhautschnitt erfolgt erst in der Tiefe vor der Keilbeinhöhle, die eröffnet wird. Die Keilbeinhöhle (=Sinus sphenoidalis) ist eine Luft-gefüllte Höhle hinter der Nase. Da man durch die Keilbeinhöhle hindurch operiert, spricht man auch von einem „transsphenoidalen Zugang“. Durch die Keilbeinhöhle hindurch schaut man auf den knöchernen Türkensattel. Durch Eröffnen des Türkensattels gelangt man an den Hypophysentumor. Der Tumor wird mit Mikroinstrumenten entfernt.

Der Hypophysentumor lässt sich unter dem Operationsmikroskop gut von der Hypophyse abgrenzen. Dies ist von größter Bedeutung, da wir den Tumor entfernen, die Hypophyse aber unbedingt erhalten wollen.

Der Hypophysentumor ist meist noch nur durch eine Hirnhaut (das sogenannte Diaphragma sellae), vom Nervenwasserraum getrennt. Bei großen Tumoren und dünner Hirnhaut ist eine Abdichtung während der Operation erforderlich. Aus diesem Grunde wird bei etwa 30% der Patienten über einen kleinen Hautschnitt am seitlichen Oberschenkel ein Stück Muskelhaut (=Faszie) entnommen. Bei der Faszie handelt es sich um eine Gewebeschicht über der Muskulatur. Mit dem Faszien-Transplantat wird dann der Hypophysen- und Tumorbereich abgedeckt.

Bei manchen Patienten setzen wir während der Operation auch ein Endoskop ein. Anders als beim Mikroskop, welches sich außerhalb des Operationsgebietes befindet, wird dabei die Optik bis in die Keilbeinhöhle vorgeführt. Mit dem Endoskop können auch seitliche Bereich ausgeleuchtet und betrachtet werden, die unter dem Operationsmikroskop nicht direkt sichtbar werden.

Hypophysentumoren Behandlung 003Weitere technische Hilfsmittel: In Tübingen steht für schwierige Hypophysentumoren auch die iMRI-Unit zur Verfügung. In diesem speziellen Operationssaal kann während der Operation die Tumorentfernung kernspintomographisch kontrolliert werden. Im Falle von Tumorresten können diese während derselben Operation entfernt werden.

Abb.: (links): Transnasale Hypophysen-Operation mit dem Endoskop. Der Assistent hält das Endoskop. Das Operationsfeld wird über den Monitor betrachtet.

Bei ausgedehnten Tumoren oder bei Rezidiv-Eingriffen wird die Operation durch ein Navigationssystem (sogenannte Neuronavigation) unterstützt, welches auf dem selbem Prinzip wie die Navigation im Straßenverkehr beruht. Zur Orientierung verwendet man kernspintomographische Aufnahmen, die vor oder während der Operation angefertigt werden. Der Operateur kann mit Hilfe der Neuronavigation den operativen Zugang präzise planen, das Operationsrisiko durch Darstellen der Risikostrukturen (zum Beispiel Schlagader, Nerven) reduzieren und das Ausmaß der Tumorentfernung verbessern.

Transkranielle Operation

Manche große Hypophysenadenome, die weit ins Schädelinnere vor entwickelt sind, werden über eine Schädeldach-Eröffnung (=transkranielle Operation) entfernt. Auch andere Tumorarten, die im Wesentlichen oberhalb der Hypophyse und im Bereich des Hypophysenstiels lokalisiert sind, werden auf transkraniellem Wege operiert. Hierzu zählen zum Beispiel viele Kraniopharyngiome und Meningeome.